Häufig, und oft als zweithäufigste Ursache für Haarausfall genannt.
Akut
Reversibel
Was ist Telogen Effluvium?
Telogen Effluvium (TE) ist eine vorübergehende Störung des Haarwachstumszyklus, bei der eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Follikeln gleichzeitig von der Wachstumsphase in die Ruhephase (Telogen) wechselt. Die Folge ist ein diffuser Haarausfall über die gesamte Kopfhaut, der typischerweise zwei bis drei Monate nach einem identifizierbaren Auslöser auftritt. [1]
Anders als bei der androgenetischen Alopezie wird der Haarfollikel selbst nicht beschädigt. Es handelt sich um eine Störung des Zyklus, nicht um eine strukturelle Veränderung. In den meisten Fällen löst sich der Zustand von selbst auf, sobald der zugrundeliegende Auslöser behoben ist.
Die Erkrankung wurde erstmals 1961 vom Dermatologen Albert Kligman formal beschrieben. [1] Diese Seite ordnet Telogen Effluvium als Erkrankung ein. Für die spezifische Frage nach Stress, Timing und chronischer Stressbiologie lies den Ratgeber Stress und Haarausfall.
Symptome
Das charakteristische Merkmal des Telogen Effluviums ist ein diffuser Haarausfall. Der Haarverlust verteilt sich über die gesamte Kopfhaut, anstatt sich auf Haaransatz oder Scheitel zu konzentrieren. Die meisten Betroffenen bemerken ihn auf dem Kopfkissen, im Abfluss der Dusche oder an der Bürste.
Unter normalen Bedingungen verliert ein Mensch täglich 50 bis 100 Haare. Beim Telogen Effluvium kann diese Zahl deutlich ansteigen. In schweren Fällen können bis zu 70 Prozent der wachsenden Haare gleichzeitig in die Ruhephase eintreten, was zu einem täglichen Haarverlust von weit über 300 Haaren führt. [1]
Da der Haarausfall diffus ist und die Follikel intakt bleiben, setzt das Nachwachsen auf natürlichem Weg ein, sobald der Auslöser behoben ist. Es entstehen keine kahlen Stellen und die Kopfhaut zeigt in der Regel keine sichtbaren Entzündungen oder Narben.
Ursachen
Telogen Effluvium wird durch Ereignisse ausgelöst, die für den Körper eine erhebliche physiologische oder metabolische Belastung darstellen. In der ärztlichen Einordnung ist es meist hilfreicher, nach konkreten Auslösern zu suchen, statt automatisch Alltagsstress verantwortlich zu machen.
Zu den am besten belegten Auslösern gehören körperliche Erkrankungen, Operationen, Nährstoffmangel, Schilddrüsenfehlfunktion, psychologischer Stress, Entbindung und Medikamentenänderungen.
Körperliche Erkrankungen und Operationen
Hohes Fieber, schwere Infektionen, grössere Operationen oder erheblicher Blutverlust können allesamt einen Haarausfall auslösen. Je schwerwiegender das physiologische Ereignis, desto mehr Follikel sind betroffen.
Nährstoffmangel
Niedriges Ferritin, also ein niedriger Eisenspeicher, ist eine der am häufigsten übersehenen Ursachen für diffusen Haarausfall. Auch unzureichende Proteinzufuhr und starke Kalorienrestriktion, etwa durch Crash-Diäten oder längere Phasen schlechter Ernährung, sind zuverlässige Auslöser. [1]
Schilddrüsenfehlfunktion
Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann den Haarzyklus stören und zu diffusem Haarausfall führen, der einem Telogen Effluvium ähnelt. Die Schilddrüsenfunktion ist oft sinnvoll zu überprüfen, wenn die Ursache nicht unmittelbar ersichtlich ist. [1]
Psychologischer Stress
Anhaltender, intensiver emotionaler Stress kann Haarausfall auslösen, muss aber in der Regel schwerwiegender und länger andauernd sein als normaler Arbeitsdruck oder leichte Ängste. Klinisch relevanter wird Stress vor allem dann, wenn er Schlaf, Ernährung, Gewicht oder die Erholung nach Krankheit beeinflusst.
Entbindung und Medikamentenänderungen
Das postpartale Telogen Effluvium ist eine der bekanntesten Erscheinungsformen und oft das erste Mal, dass viele Frauen mit diesem Zustand in Berührung kommen. Bestimmte Medikamente können ebenfalls als Nebenwirkung einen Haarausfall auslösen. Wenn der Haarausfall kurz nach Beginn oder Absetzen eines Medikaments einsetzte, ist das mit einem Arzt zu besprechen.
Akutes versus chronisches Telogen Effluvium
Telogen Effluvium tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf, und die Unterscheidung hat praktische Bedeutung.
Akutes Telogen Effluvium klingt innerhalb von sechs Monaten nach Ende des auslösenden Ereignisses ab. Dies ist bei weitem die häufigere Form. Sobald der Auslöser entfernt ist, normalisiert sich der Haarzyklus und das Nachwachsen setzt ein.
Chronisches Telogen Effluvium ist definiert als Haarausfall, der länger als sechs Monate anhält. Diese Form weist fast immer darauf hin, dass ein beitragender Faktor noch immer aktiv ist, sei es ein ungelöster Nährstoffmangel, eine unbehandelte Schilddrüsenerkrankung oder anhaltend hoher Stress. Die Identifizierung und Behebung der zugrundeliegenden Ursache ist der zentrale Schritt bei der Behandlung. [1]
Diagnose
Telogen Effluvium wird in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Beurteilung und Anamnese diagnostiziert.
Ein Arzt fragt nach dem zeitlichen Verlauf und Muster des Haarausfalls, nach jüngsten Lebensereignissen, Ernährungsveränderungen, Erkrankungen, Operationen und Medikamenten. Die Verzögerung von zwei bis drei Monaten zwischen Auslöser und Beginn des Haarausfalls ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis, und Patienten sind oft überrascht, wenn ein Arzt nach Ereignissen fragt, die weit vor dem Haarausfall stattgefunden haben.
Ein Zugtest kann dabei helfen, das Ausmass des aktiven Haarausfalls einzuschätzen. Beim sanften Zug an 20 bis 60 Haaren deutet ein Lösen von mehr als 10 Prozent auf erhöhten aktiven Haarausfall hin. Die Dermatoskopie, auch Trichoskopie genannt, ermöglicht eine genauere Untersuchung der Follikel.
Blutuntersuchungen sind häufig sinnvoll und sollten mindestens Ferritin, Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) und ein Blutbild umfassen. Diese Tests können Mängel oder Erkrankungen identifizieren, die, wenn sie unbehandelt bleiben, eine Erholung verhindern würden. [1]
Die Unterscheidung von Telogen Effluvium und androgenetischer Alopezie ist wichtig, insbesondere bei Männern mit genetischer Veranlagung zu erblichem Haarausfall. Ein Telogen Effluvium kann gelegentlich eine androgenetische Alopezie ans Licht bringen, die sich bereits darunter entwickelt hatte. Sobald der diffuse Haarausfall abklingt, kann ein Ausdünnungsmuster zurückbleiben. Eine ärztliche Beurteilung ist der zuverlässigste Weg, beides auseinanderzuhalten. Einen breiteren Überblick findest du im Artikel Haarausfall Ursachen verstehen.
Behandlung
Die wirksamste Massnahme beim Telogen Effluvium ist die Identifizierung und Behebung des zugrundeliegenden Auslösers. Die Behandlung richtet sich deshalb nach der Ursache: Ernährung, Schilddrüsengesundheit, Erholung nach Krankheit, Medikamentenprüfung oder ein anderer medizinischer Faktor. In vielen Fällen ist die Behebung der Ursache die einzige notwendige Behandlung.
Wenn niedriges Ferritin, unzureichende Proteinzufuhr oder ein anderer Mangel festgestellt wird, ist dessen Korrektur durch Ernährungsumstellung oder Supplementierung unter ärztlicher Begleitung der primäre Schritt. Die Erholung der Haardichte folgt in der Regel, braucht aber Zeit.
Wenn eine Schilddrüsenfehlfunktion oder eine andere Erkrankung den Haarausfall verursacht, hat deren Behandlung Vorrang.
Minoxidil kann das Nachwachsen während der Erholung unterstützen und beschleunigen, behandelt aber nicht die zugrundeliegende Ursache. Ob es geeignet ist, hängt vom klinischen Bild ab und sollte von einem Arzt beurteilt werden. Finasterid ist keine Behandlung für Telogen Effluvium. Es ist nur relevant, wenn gleichzeitig eine androgenetische Alopezie bestätigt oder vermutet wird.
Was während der Erholung zu erwarten ist
Der Haarausfall erreicht typischerweise zwei bis vier Monate nach dem auslösenden Ereignis seinen Höhepunkt und lässt dann allmählich nach, wenn sich der Zyklus normalisiert. Die meisten Menschen bemerken eine deutliche Verringerung des Haarausfalls innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Behebung des Auslösers.
Die vollständige Erholung der Haardichte dauert länger. Neue Haare wachsen zunächst kürzer und feiner nach, und es kann 12 bis 18 Monate dauern, bis das Haar nach Behebung des Auslösers wieder seine frühere Dicke erreicht. Der Fortschritt fühlt sich oft langsam an, weil das frühe Nachwachsen noch nicht in voller Länge sichtbar ist.
Wenn der Haarausfall länger als sechs Monate ohne Verbesserung anhält oder wenn Blutuntersuchungen auf einen anhaltenden Mangel hinweisen, ist die zugrundeliegende Ursache wahrscheinlich noch aktiv und eine weitere Abklärung ist angezeigt. [1]
Vorbeugung
Telogen Effluvium lässt sich nicht immer verhindern, da viele Auslöser nicht vorhersehbar oder kontrollierbar sind. Was helfen kann, ist die frühzeitige Erkennung des Zustands und eine rasche Identifizierung der Ursache, was die Zeit bis zur Erholung verkürzt.
Eine ausreichende Eisen- und Proteinzufuhr, die Pflege der Schilddrüsengesundheit und das Management von chronischem Stress, wo möglich, verringern das Risiko prolongierter Episoden. Wenn nach einem bedeutsamen Ereignis, einer Erkrankung oder einer Phase schlechter Ernährung ein diffuser Haarausfall auftritt, kann eine frühzeitige Blutuntersuchung klären, ob ein korrigierbarer Mangel vorliegt.
Wenn unklar ist, ob es sich bei dem erlebten Haarausfall um Telogen Effluvium oder eine andere Form handelt, ist eine ärztliche Beurteilung der klarste nächste Schritt. Blutuntersuchungen und eine sorgfältige Haaranalyse können die Frage oft innerhalb einer einzigen Konsultation beantworten.
Ärztlich geprüfte Haarausfall-Behandlung
Wirkstoffe bei Haarausfall
Vergleiche, wie Minoxidil, Finasterid und Dutasterid wirken, welche Evidenz es gibt und worauf ärztlich geachtet wird.
Häufige Fragen
Quellen
- [1] Hughes EC, Syed HA, Saleh D. (2024). Telogen Effluvium. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK430848/ (Aufgerufen am 07.06.2026)