Finasterid

Finasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) und hilft so, erblich bedingten Haarausfall zu stoppen und neues Haarwachstum anzuregen. Es gehört zu den am besten untersuchten Medikamenten gegen Haarausfall.

4 min LesezeitVeröffentlicht am 11. Dezember 2025

Wie wirkt Finasterid?

Bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall spielt das Hormon DHT eine zentrale Rolle. Es lagert sich an Rezeptoren in den Haarwurzeln an und löst einen schleichenden Schrumpfungsprozess aus. Finasterid greift genau hier ein: Es blockiert das Enzym 5-Alpha-Reduktase (Typ II), welches für die Umwandlung von Testosteron in DHT verantwortlich ist. [1]

DHT bindet etwa zehnmal stärker an die Androgenrezeptoren als Testosteron und ist der Hauptverursacher der Follikel-Miniaturisierung. Indem Finasterid den DHT-Spiegel um ca. 70% senkt, wird die Miniaturisierung verlangsamt und die geschrumpften Follikel können wieder kräftigere Haare produzieren. [2]

Neben der DHT-Senkung beeinflusst Finasterid auch zelluläre Prozesse im Haarfollikel. Es reduziert die Aktivität von pro-apoptotischen Enzymen (Caspasen), die am Zelltod beteiligt sind, und erhöht gleichzeitig schützende Proteine wie XIAP und Bcl-2. Diese Effekte tragen dazu bei, die Haarfollikel zu erhalten und die Wachstumsphase (Anagen) zu verlängern.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von Finasterid ist durch zahlreiche klinische Studien bestens belegt. In einer grossen Studie mit über 1'500 Männern zeigten 48% der Finasterid-Gruppe bereits nach 12 Monaten eine Verbesserung, verglichen mit nur 7% in der Placebo-Gruppe. [1] Die Anzahl der Haare nahm in der Behandlungsgruppe zu oder stabilisierte sich, während die Placebo-Gruppe weiterhin Haare verlor.

Langzeitstudien über 5 Jahre bestätigen, dass die meisten Patienten ihre Haardichte halten oder weiter verbessern können. [2] Die Wirkung setzt typischerweise nach 3-6 Monaten ein und erreicht ihr Maximum nach etwa 2 Jahren kontinuierlicher Einnahme. Für optimale Ergebnisse kann Finasterid mit Minoxidil kombiniert werden, da beide Wirkstoffe über unterschiedliche Mechanismen wirken.

Interessanterweise zeigen Studien, dass auch geringere Dosierungen wirksam sein können. Eine 48-wöchige Studie fand heraus, dass 54% der Männer unter 0.2 mg täglich eine Verbesserung zeigten, verglichen mit 58% unter 1 mg. [5] Dies legt nahe, dass für manche Personen eine niedrigere Dosis eine Alternative sein könnte, um potenzielle Nebenwirkungen zu minimieren.

Orale vs. Topische Anwendung

Oral eingenommenes Finasterid in der Standarddosis von 1 mg täglich senkt den DHT-Spiegel im Blut um ca. 70% und in der Kopfhaut um 62-72%. [3] Diese systemische Wirkung ist sehr effektiv, kann aber bei einigen Personen zu Nebenwirkungen führen.

Topisches Finasterid bietet eine Alternative mit potenziell geringerer systemischer Belastung. Studien zeigen, dass topische Formulierungen mit ca. 0.1-0.9 mg täglicher Exposition den DHT-Spiegel in der Kopfhaut um 68-75% senken können – vergleichbar mit der oralen Form. Gleichzeitig ist die Aufnahme ins Blut (systemische Absorption) deutlich geringer, was das Risiko für Nebenwirkungen potenziell reduziert. [3]

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Sicherheit und Nebenwirkungen

Finasterid wird im Allgemeinen gut vertragen. In den ursprünglichen Zulassungsstudien traten sexuelle Nebenwirkungen bei 1.8% der Männer unter Finasterid auf, verglichen mit 1.3% unter Placebo. [1] Das bedeutet, dass nur etwa 0.5% der Anwender tatsächlich medikamentenbedingt betroffen sind.

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Libidoverlust, Erektionsstörungen und Ejakulationsstörungen. Laut Studiendaten sind diese Effekte reversibel: Wenn das Medikament abgesetzt wird, normalisieren sich die Werte typischerweise innerhalb von 2-3 Monaten. Bemerkenswert ist auch, dass viele Männer, die in den ersten 2-3 Monaten Nebenwirkungen spüren, bei fortgesetzter Behandlung von einer spontanen Besserung berichten.

Bezüglich der Langzeitsicherheit zeigen Studien an über 30'000 Männern mit 18 Jahren Nachbeobachtung, dass Finasterid das Risiko für Prostatakrebs um ca. 25% senken kann. [4] Entgegen früheren Befürchtungen erhöht Finasterid nicht das Risiko für hochgradigen Prostatakrebs, sondern erleichtert dessen Erkennung durch die Schrumpfung der Prostata.

Anwendung

Die Standarddosierung beträgt 1 mg einmal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Tablette sollte im Ganzen geschluckt und nicht geteilt werden, da der Wirkstoff bei Hautkontakt aufgenommen werden kann. Für Personen, die Bedenken wegen Nebenwirkungen haben, kann in ärztlicher Absprache eine niedrigere Dosis (0.2-0.5 mg) erwogen werden.

Die Behandlung erfordert Geduld: Erste sichtbare Erfolge zeigen sich meist nach 3-6 Monaten, die maximale Wirkung erst nach 1-2 Jahren. Nach dem Absetzen kehrt der Haarausfall innert 3-12 Monaten zurück, da Finasterid die genetische Veranlagung kontrolliert, aber nicht beseitigt.

Zugelassene Anwendungen

  • Androgenetische Alopezie (Haarausfall beim Mann)
  • Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

Wirkstoffklasse

5-Alpha-Reduktase-Hemmer

Dosierung

DarreichungsformStärkeAnwendungRezeptpflicht
Oral (Tablette)1 mg1x täglichJa
Oral (Tablette, niedrig dosiert)0.2-0.5 mg1x täglichJa
Topisch (Lösung)0.005-0.25%1x täglichJa

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen

  • Verminderte Libido (0.5-1.8%)
  • Erektionsstörungen (0.5-1.3%)
  • Ejakulationsstörungen (0.4-1.2%)

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Brustspannen oder -vergrösserung
  • Hautausschlag
  • Stimmungsschwankungen

Seltene Nebenwirkungen

  • Depressive Verstimmungen
  • Hodenschmerzen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen

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Nicht geeignet bei

  • Frauen (insbesondere Schwangere und Stillende)
  • Überempfindlichkeit gegen Finasterid
  • Schwere Lebererkrankungen
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Warnhinweise

Frauen sollten zerdrückte oder zerbrochene Tabletten nicht berühren, da Finasterid über die Haut aufgenommen werden kann

Vor Therapiebeginn sollte Prostatakrebs ausgeschlossen werden

Finasterid kann den PSA-Wert um ca. 50% senken, was bei der Interpretation von Prostatakrebs-Screenings beachtet werden muss

Wirkung erst nach 3-6 Monaten regelmässiger Einnahme beurteilbar

Nach Absetzen kehrt der Haarausfall zurück

Häufige Fragen

Quellen

  1. [1] Kaufman KD, Olsen EA, Whiting D, et al.. (1998). Finasteride in the treatment of men with androgenetic alopecia. Journal of the American Academy of Dermatology. https://doi.org/10.1016/s0190-9622(98)70007-6
  2. [2] Zito PM, Bistas KG, Syed K. (2024). Finasteride. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513329/
  3. [3] Piraccini BM, Blume-Peytavi U, Scarci F, et al.. (2022). Efficacy and safety of topical finasteride spray solution for male androgenetic alopecia. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. https://doi.org/10.1111/jdv.17738
  4. [4] Goodman PJ, Tangen CM, Darke AK, et al.. (2019). Long-Term Effects of Finasteride on Prostate Cancer Mortality. The New England Journal of Medicine. https://doi.org/10.1056/NEJMc1809961
  5. [5] Fertig RM, Caresse GA, Darwin E, Gaudi S. (2017). Sexual side effects of 5-α-reductase inhibitors finasteride and dutasteride: a comprehensive review. Dermatology Online Journal. https://doi.org/10.5070/D32311037240
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die enthaltenen Informationen sollten niemals als Ersatz für professionelle medizinische Beratung verwendet werden. Sprich immer mit einem Arzt über die Risiken und Vorteile einer Behandlung.Die Informationen beziehen sich auf den Wirkstoff allgemein und sind möglicherweise nicht für alle Produkte mit diesem Wirkstoff zutreffend.

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