Androgenetische Alopezie

Alopecia androgenetica

Die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern – was dahinter steckt und was du tun kannst.

6 min LesezeitVeröffentlicht am 01. Dezember 2025
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Androgenetische Alopezie
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Häufigkeit

~50%

der Männer bis 50 Jahre

Verlauf

Chronisch

partially-reversible

Was ist androgenetische Alopezie?

Die androgenetische Alopezie (AGA), im Alltag oft einfach «erblicher Haarausfall» genannt, ist die häufigste Form des Haarverlusts überhaupt. Sie betrifft etwa die Hälfte aller Männer bis zum 50. Lebensjahr und bis zu 80 % im Laufe des Lebens. [1]

Der Haarausfall hat meist mehrere Ursachen, von denen einige ausserhalb deiner Kontrolle liegen. Einen detaillierten Überblick findest du in unserem Artikel Haarausfall Ursachen verstehen. Typischerweise spielen sowohl Gene als auch Hormone eine Rolle. Ein bestimmtes Abbauprodukt von Testosteron namens Dihydrotestosteron (DHT) steht dabei im Zentrum. Die androgenetische Alopezie entwickelt sich schleichend und schreitet ohne Behandlung in der Regel weiter fort.

Symptome

Das Kennzeichen der androgenetischen Alopezie bei Männern ist ein vorhersehbares Muster der Haarausdünnung. Typisch sind ein zurückweichender Haaransatz, der oft eine M-Form bildet, eine Ausdünnung am Scheitel (Oberkopf) sowie im Verlauf teilweise oder vollständige Kahlheit in diesen Bereichen.

Es ist normal, dass jeder Mensch täglich zwischen 50 und 100 Haare verliert – das gehört zum natürlichen Haarzyklus. Dieser normale Haarausfall führt aber nicht zu einem zurückweichenden Haaransatz oder anderen auffälligen Mustern.

Bei androgenetischer Alopezie werden die Haare mit der Zeit kürzer, feiner und heller. Durch die sogenannte Follikel-Miniaturisierung verwandeln sich kräftige Haare allmählich in kaum sichtbare Flaumhaare (Vellushaare). Bei manchen Männern kann dies bis zur vollständigen Glatze führen, bei anderen zeigt sich nur eine Ausdünnung am Scheitel.

Bei Frauen verläuft der Haarausfall meist anders: Statt Geheimratsecken zeigt sich häufig eine diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich, während die vordere Haarlinie erhalten bleibt. [5]

Ursachen

Haarausfall kann viele Gründe haben, aber bei der androgenetischen Alopezie sind die Ursachen recht spezifisch: eine genetische Veranlagung kombiniert mit der Wirkung von Androgenen (männlichen Sexualhormonen), insbesondere DHT.

Dein Körper bildet DHT als Nebenprodukt von Testosteron. DHT ist wichtig – du brauchst es für die Entwicklung männlicher Merkmale wie Bartwuchs und Prostata. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch die Beziehung deines Körpers zu DHT, und das Hormon spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung der androgenetischen Alopezie.

DHT kann Haarfollikel schädigen und zur Miniaturisierung führen. Betroffene Follikel werden dünner und kürzer, bis sie schliesslich keine neuen Haare mehr produzieren. Der Prozess läuft so ab: DHT bindet an Rezeptoren in den Haarfollikeln der Kopfhaut. Bei genetisch empfindlichen Männern löst dies eine Schrumpfung der Follikel aus. Mit der Zeit verkürzt sich die Wachstumsphase (Anagen) und die Ruhephase (Telogen) verlängert sich, was die Haardichte und -dicke insgesamt reduziert. [3]

Männer mit Haarausfall haben tendenziell höhere DHT-Werte als ihre Altersgenossen und mehr Androgenrezeptoren in der Kopfhaut. Wichtig zu verstehen: Nicht dein Testosteronspiegel im Blut ist entscheidend, sondern wie empfindlich deine Haarfollikel auf DHT reagieren – und das ist genetisch festgelegt.

Risikofaktoren

Mit dem Älterwerden verändert sich das Haarwachstum bei jedem Menschen. Falls du dir Sorgen machst, ob dich die androgenetische Alopezie treffen könnte, gibt es einige Faktoren, die das Risiko erhöhen.

Die Familiengeschichte ist der stärkste Prädiktor. Wenn deine Eltern oder Grosseltern betroffen waren, ist dein Risiko deutlich höher. Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle: Die Wahrscheinlichkeit steigt mit den Jahren, oft beginnt der Prozess bereits in den späten Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern. Bis 70 sind bis zu 80 % der Männer betroffen. [1] Auch die ethnische Herkunft hat Einfluss: Männer europäischer Abstammung sind häufiger betroffen als Männer asiatischer oder afrikanischer Herkunft.

Was hingegen keinen wesentlichen Einfluss hat: häufiges Haarewaschen, das Tragen von Mützen oder Helmen, die sexuelle Aktivität oder die Frisur (ausser bei chronisch starkem Zug, der zu Traktionsalopezie führen kann).

Diagnose

Wenn du Veränderungen bei deinem Haarwuchs bemerkst, ist es sinnvoll, einen Dermatologen oder einen anderen Arzt deines Vertrauens aufzusuchen.

Die androgenetische Alopezie wird typischerweise folgendermassen diagnostiziert: Der Arzt untersucht das Muster und die Verteilung deines Haarausfalls, wann er begonnen hat und ob du mögliche Auslöser identifizieren kannst. Manche Dermatologen nutzen die Norwood-Skala, um das Ausmass zu klassifizieren. [2]

Fragen zur Familiengeschichte geben dem Arzt Aufschluss darüber, ob eine genetische Veranlagung wahrscheinlich ist. Mit einem Dermatoskop kann er die Gesundheit deiner Haarfollikel genauer betrachten und die Miniaturisierung erkennen. Beim Zupftest werden 20 bis 60 Haare sanft gezogen – lösen sich mehr als 10 %, deutet das auf erhöhten Haarausfall hin.

Um andere Ursachen auszuschliessen, können bei atypischem Muster Bluttests sinnvoll sein, etwa zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion, des Eisenspiegels oder von Autoimmunmarkern.

Eine formelle Diagnose brauchst du nicht zwingend, um mit einer Behandlung zu beginnen. Wenn das Muster eindeutig ist, ist eine aufwändige Diagnostik oft nicht nötig. Eine ärztliche Einschätzung kann aber helfen, andere Ursachen auszuschliessen.

Behandlung

Lässt sich androgenetische Alopezie rückgängig machen? Nicht unbedingt. Aber sie ist behandelbar, besonders wenn früh begonnen wird.

Die Ergebnisse bei der Haarwiederherstellung variieren, aber die meisten Behandlungen zielen darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen oder zu stoppen und dein bestehendes Haar zu erhalten.

Minoxidil ist ein rezeptfrei erhältliches Medikament zur Behandlung der androgenetischen Alopezie. Es stimuliert das Haarwachstum, wobei der genaue Wirkmechanismus nicht vollständig verstanden ist. Lies mehr zur Minoxidil Anwendung. Man nimmt an, dass es die Wachstumsphase verlängert und die Durchblutung der Kopfhaut verbessert. In einer Studie bewerteten 84 % der Männer mit androgenetischer Alopezie, die 12 Monate mit Minoxidil behandelt wurden, die Wirkung als sehr effektiv, effektiv oder mässig effektiv. [2]

Finasterid ist ein rezeptpflichtiges Medikament und gehört zur Klasse der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es blockiert DHT und hilft so, die DHT-bedingte Schädigung der Haarfollikel zu verlangsamen oder zu stoppen. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Finasterid: Wirkung & Studien. Informationen zum Bezug findest du unter Finasterid Rezept Schweiz. Studien zeigen, dass Männer mit androgenetischer Alopezie, die täglich Finasterid einnahmen, eine messbare Verbesserung des Haarwachstums erlebten, während Männer mit Placebo weiter Haare verloren. [3]

Die Kombination von Finasterid und Minoxidil zeigt in Studien die besten Ergebnisse, da beide Wirkstoffe über unterschiedliche Mechanismen wirken.

Weitere Optionen umfassen Low-Level-Lasertherapie (LLLT), bei der Geräte wie Laserkämme oder -kappen helfen können, die Follikel zu stimulieren. Eine Meta-Analyse von 2017 fand LLLT wirksam bei der Förderung des Haarwachstums bei Männern mit androgenetischer Alopezie. PRP (Platelet-Rich Plasma) ist eine Eigenbluttherapie, die die Wachstumsphase verlängern kann. Eine Haartransplantation ist eine dauerhafte Lösung für fortgeschrittene Stadien, bei der DHT-resistente Haare von den Seiten und vom Hinterkopf in kahle Bereiche verpflanzt werden. [6]

Sanfte Haarpflege ist ebenfalls wichtig: Zu aggressives Bürsten, straffe Frisuren oder aggressive Produkte können den Haarausfall verschlimmern, unabhängig von der Ursache.

Prävention

Die genetische Veranlagung lässt sich nicht ändern, aber frühes Handeln kann helfen, den Haarausfall zu minimieren. Sobald du Veränderungen bei deinem Haarwuchs bemerkst oder mehr Haare als üblich ausfallen, ist es sinnvoll, einen Arzt zu konsultieren. Starte jetzt deine Online-Konsultation oder erfahre mehr über unsere Behandlungsoptionen.

Je nach Befund kann er Behandlungen empfehlen, um den Haarausfall zu stoppen oder umzukehren. Wichtig ist auch, sanfte und gesunde Haarpflegegewohnheiten beizubehalten.

Zur Unterstützung deiner allgemeinen Gesundheit helfen ein gutes Stressmanagement und eine ausgewogene Ernährung. Beobachte regelmässig deinen Haaransatz und Scheitel – Fotos in regelmässigen Abständen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.

Haarausfall-Behandlung

Haarausfall behandeln – medizinisch & individuell

Wirkstoffe zur Behandlung

Diese Wirkstoffe werden häufig zur Behandlung eingesetzt.

Häufige Fragen

Quellen

  1. [1] (2023). Androgenetic Alopecia - NIH Statistics. National Institutes of Health. https://ghr.nlm.nih.gov/condition/androgenetic-alopecia#statistics
  2. [2] Cranwell W, Sinclair R. (2016). Male Androgenetic Alopecia - Endotext. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278957/
  3. [3] English RS. (2018). A hypothetical pathogenesis model for androgenic alopecia. Medical Hypotheses. https://doi.org/10.1016/j.mehy.2017.12.027
  4. [4] Trüeb RM. (2002). Molecular mechanisms of androgenetic alopecia. Experimental Gerontology. https://doi.org/10.1016/s0531-5565(02)00093-1
  5. [5] Ramos PM, Miot HA. (2015). Female Pattern Hair Loss: a clinical and pathophysiological review. Anais Brasileiros de Dermatologia. https://doi.org/10.1590/abd1806-4841.20153370
  6. [6] Jaworsky C, Kligman A, Murphy G. (1992). Characterization of inflammatory infiltrates in male pattern alopecia. British Journal of Dermatology. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.1992.tb00121.x
  7. [7] Chéret J et al.. (2018). Olfactory receptor OR2AT4 regulates human hair growth. Nature Communications. https://doi.org/10.1038/s41467-018-05973-0
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die enthaltenen Informationen sollten niemals als Ersatz für professionelle medizinische Beratung verwendet werden. Sprich immer mit einem Arzt über die Risiken und Vorteile einer Behandlung.Bei Verdacht auf eine der beschriebenen Erkrankungen sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

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