~50%
der Männer bis 50 Jahre
Chronisch
partially-reversible
Was ist androgenetische Alopezie?
Die androgenetische Alopezie (AGA), im Alltag oft einfach «erblicher Haarausfall» genannt, ist eine häufige Form des Haarverlusts bei Männern und Frauen. Bei Männern beschreibt MedlinePlus, dass mehr als die Hälfte der Männer über 50 in unterschiedlichem Ausmass betroffen sein kann. [1]
Der Haarausfall hat meist mehrere Ursachen, von denen einige ausserhalb deiner Kontrolle liegen. Einen Überblick findest du in unserem Artikel Haarausfall Ursachen verstehen. Typischerweise spielen sowohl Gene als auch Hormone eine Rolle. Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt von Testosteron, ist dabei medizinisch wichtig. Die androgenetische Alopezie entwickelt sich schleichend und kann über die Zeit fortschreiten.
Symptome
Das Kennzeichen der androgenetischen Alopezie bei Männern ist ein vorhersehbares Muster der Haarausdünnung. Typisch sind ein zurückweichender Haaransatz, der oft eine M-Form bildet, eine Ausdünnung am Scheitel (Oberkopf) sowie im Verlauf teilweise oder vollständige Kahlheit in diesen Bereichen.
Es ist normal, dass jeder Mensch täglich zwischen 50 und 100 Haare verliert – das gehört zum natürlichen Haarzyklus. Dieser normale Haarausfall führt aber nicht zu einem zurückweichenden Haaransatz oder anderen auffälligen Mustern.
Bei androgenetischer Alopezie werden die Haare mit der Zeit kürzer, feiner und heller. Durch die sogenannte Follikel-Miniaturisierung verwandeln sich kräftige Haare allmählich in kaum sichtbare Flaumhaare (Vellushaare). Bei manchen Männern kann dies bis zur vollständigen Glatze führen, bei anderen zeigt sich nur eine Ausdünnung am Scheitel.
Bei Frauen verläuft der Haarausfall meist anders: Statt Geheimratsecken zeigt sich häufig eine diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich, während die vordere Haarlinie erhalten bleibt. [1]
Ursachen
Haarausfall kann viele Gründe haben, aber bei der androgenetischen Alopezie sind die Ursachen recht spezifisch: eine genetische Veranlagung kombiniert mit der Wirkung von Androgenen (männlichen Sexualhormonen), insbesondere DHT.
Dein Körper bildet DHT als Nebenprodukt von Testosteron. DHT ist wichtig – du brauchst es für die Entwicklung männlicher Merkmale wie Bartwuchs und Prostata. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch die Beziehung deines Körpers zu DHT, und das Hormon spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung der androgenetischen Alopezie.
DHT kann zur Miniaturisierung empfindlicher Haarfollikel beitragen. Betroffene Follikel werden dünner und kürzer, wodurch die sichtbare Haardichte abnimmt. In der Fachliteratur werden neben Androgenwirkung auch Veränderungen im Haarzyklus und lokale Entzündungsprozesse diskutiert. [2]
Männer mit Haarausfall haben tendenziell höhere DHT-Werte als ihre Altersgenossen und mehr Androgenrezeptoren in der Kopfhaut. Wichtig zu verstehen: Nicht dein Testosteronspiegel im Blut ist entscheidend, sondern wie empfindlich deine Haarfollikel auf DHT reagieren – und das ist genetisch festgelegt.
Risikofaktoren
Mit dem Älterwerden verändert sich das Haarwachstum bei jedem Menschen. Bei androgenetischer Alopezie gibt es einige Faktoren, die das Risiko erhöhen.
Die Familiengeschichte ist einer der wichtigsten Hinweise. Wenn nahe Verwandte betroffen sind, kann das eigene Risiko höher sein. Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle: Die Wahrscheinlichkeit steigt mit den Jahren, auch wenn erste Anzeichen bereits in den späten Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern auftreten können. [1]
Was hingegen keinen wesentlichen Einfluss hat: häufiges Haarewaschen, das Tragen von Mützen oder Helmen, die sexuelle Aktivität oder die Frisur (ausser bei chronisch starkem Zug, der zu Traktionsalopezie führen kann).
Diagnose
Wenn du Veränderungen bei deinem Haarwuchs bemerkst, ist es sinnvoll, eine Dermatolog:in oder eine andere Ärzt:in deines Vertrauens aufzusuchen.
Die androgenetische Alopezie wird typischerweise folgendermassen diagnostiziert: Die Ärzt:in untersucht das Muster und die Verteilung deines Haarausfalls, wann er begonnen hat und ob du mögliche Auslöser identifizieren kannst. Manche Dermatologen nutzen die Norwood-Skala, um das Ausmass zu klassifizieren. [2]
Fragen zur Familiengeschichte geben der Ärzt:in Aufschluss darüber, ob eine genetische Veranlagung wahrscheinlich ist. Mit einem Dermatoskop kann die Ärzt:in die Gesundheit deiner Haarfollikel genauer betrachten und die Miniaturisierung erkennen. Beim Zupftest werden 20 bis 60 Haare sanft gezogen – lösen sich mehr als 10 %, deutet das auf erhöhten Haarausfall hin.
Um andere Ursachen auszuschliessen, können bei atypischem Muster Bluttests sinnvoll sein, etwa zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion, des Eisenspiegels oder von Autoimmunmarkern.
Eine formelle Diagnose brauchst du nicht zwingend, um mit einer Behandlung zu beginnen. Wenn das Muster eindeutig ist, ist eine aufwändige Diagnostik oft nicht nötig. Eine ärztliche Einschätzung kann aber helfen, andere Ursachen auszuschliessen.
Behandlung
Lässt sich androgenetische Alopezie rückgängig machen? Nicht unbedingt. Eine Behandlung kann den Verlauf aber bei manchen Personen beeinflussen.
Die Ergebnisse bei der Haarwiederherstellung variieren, aber die meisten Behandlungen zielen darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen oder zu stoppen und dein bestehendes Haar zu erhalten.
Minoxidil ist in topischer Form ein gut untersuchter Wirkstoff bei androgenetischer Alopezie. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt; klinische Studien zeigen, dass topisches Minoxidil bei einem Teil der Anwender:innen Haardichte oder Stabilisierung verbessern kann. [4] Lies mehr zur Minoxidil Anwendung.
Finasterid ist rezeptpflichtig und gehört zur Klasse der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es senkt die Bildung von DHT und wurde in randomisierten Studien bei männlicher androgenetischer Alopezie untersucht. [3] Ob Finasterid im Einzelfall geeignet ist, sollte ärztlich beurteilt werden. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Finasterid: Wirkung & Studien.
Ärztlich kann auch geprüft werden, ob eine Kombination mehrerer Ansätze sinnvoll ist. Entscheidend sind Muster des Haarausfalls, Vorerkrankungen, mögliche Nebenwirkungen und persönliche Präferenzen.
Weitere Optionen umfassen Low-Level-Lasertherapie (LLLT), PRP (Platelet-Rich Plasma) oder Haartransplantation. Die Evidenz, Verfügbarkeit und Eignung unterscheiden sich je nach Methode deutlich. Eine systematische Übersichtsarbeit fand für mehrere nicht-chirurgische Optionen positive Studiensignale, betonte aber auch Unterschiede in Datenqualität und Studienlage. [5]
Sanfte Haarpflege ist ebenfalls wichtig: Zu aggressives Bürsten, straffe Frisuren oder aggressive Produkte können den Haarausfall verschlimmern, unabhängig von der Ursache.
Prävention
Die genetische Veranlagung lässt sich nicht ändern, aber frühes Einordnen kann helfen, den Verlauf besser zu verstehen. Sobald du Veränderungen bei deinem Haarwuchs bemerkst oder mehr Haare als üblich ausfallen, ist es sinnvoll, eine Ärzt:in zu konsultieren.
Haarausfall online behandeln lassen: Bei orva startest du mit einem medizinischen Fragebogen. Zugelassene Schweizer Ärzt:innen prüfen deine Angaben. Bei medizinischer Eignung kann ein Rezept ausgestellt werden.
Je nach Befund kann die Ärzt:in Optionen besprechen, um den Verlauf zu stabilisieren oder die Haardichte zu verbessern. Wichtig ist auch, sanfte Haarpflegegewohnheiten beizubehalten.
Zur Unterstützung deiner allgemeinen Gesundheit helfen ein gutes Stressmanagement und eine ausgewogene Ernährung. Beobachte regelmässig deinen Haaransatz und Scheitel – Fotos in regelmässigen Abständen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Ärztlich geprüfte Haarausfall-Behandlung
Wirkstoffe bei Haarausfall
Vergleiche, wie Minoxidil, Finasterid und Dutasterid wirken, welche Evidenz es gibt und worauf ärztlich geachtet wird.
Häufige Fragen
Quellen
- [1] (2023). Androgenetic alopecia. MedlinePlus Genetics, National Library of Medicine. https://medlineplus.gov/genetics/condition/androgenetic-alopecia/
- [2] Asfour L, Cranwell W, Sinclair R. (2023). Male Androgenetic Alopecia - Endotext. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278957/
- [3] Kaufman KD, Olsen EA, Whiting D, et al.. (1998). Finasteride in the treatment of men with androgenetic alopecia. Journal of the American Academy of Dermatology. https://doi.org/10.1016/s0190-9622(98)70007-6
- [4] Olsen EA, Dunlap FE, Funicella T, et al.. (2002). A randomized clinical trial of 5% topical minoxidil versus 2% topical minoxidil and placebo in the treatment of androgenetic alopecia in men. Journal of the American Academy of Dermatology. https://doi.org/10.1067/mjd.2002.124088
- [5] Adil A, Godwin M. (2017). The effectiveness of treatments for androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis. Journal of the American Academy of Dermatology. https://doi.org/10.1016/j.jaad.2017.02.054