Finasterid: Wirkung & klinische Studien bei Haarausfall

Finasterid ist einer der am besten erforschten Wirkstoffe zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie). Mit über 25 Jahren klinischer Erfahrung und zahlreichen wissenschaftlichen Studien gilt Finasterid als Goldstandard in der medikamentösen Haarausfall-Therapie.

6 min LesezeitVeröffentlicht am 01. September 2025Zuletzt aktualisiert am 29. Dezember 2025
Beda Diggelmann · Gründer orva

Was ist Finasterid?

Finasterid ist ein Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrösserung entwickelt wurde und 1992 von der US-Arzneimittelbehörde FDA für diese Anwendung zugelassen wurde. [1] Fünf Jahre später, 1997, folgte die Zulassung gegen männlichen Haarausfall. [2] Heute ist Finasterid in verschiedenen Dosierungen (oral und topisch) erhältlich. Dieser Artikel konzentriert sich auf den Wirkmechanismus und die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit, unabhängig von der Darreichungsform. Für einen detaillierten Vergleich der verschiedenen Anwendungsformen lies unseren Artikel Finasterid topisch vs. oral.

Wirkmechanismus von Finasterid gegen Haarausfall

Um die Wirkung von Finasterid zu verstehen, müssen wir zunächst die biologischen Mechanismen des Haarausfalls betrachten.

DHT: Das Hormon, das Haarausfall verursacht

Der Hauptauslöser beim erblich bedingten Haarausfall ist das Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Mehr zu den Ursachen von Haarausfall findest du in unserem Grundlagen-Artikel. DHT ist der zentrale Faktor bei androgenetischer Alopezie. DHT entsteht, wenn das Enzym 5α-Reduktase Typ II das Hormon Testosteron umwandelt. [3] Das Problem: DHT ist etwa zehnmal wirksamer als normales Testosteron und bindet besonders stark an die Haarfollikel. [4]

Bei Menschen mit entsprechender Veranlagung führt DHT dazu, dass die Haarfollikel schrittweise kleiner werden. Zunächst wird die Wachstumsphase verkürzt. Die Haarfollikel werden dann kleiner und dünner. Aus kräftigen Haaren werden feine Flaumhaare. Schliesslich stellen die Follikel das Wachstum ganz ein.

Finasterid blockiert die DHT-Produktion

Hier setzt Finasterid an: Es hemmt das Enzym 5α-Reduktase Typ II und verhindert damit die Umwandlung von Testosteron zu DHT. Die Effekte sind messbar: In der Kopfhaut sinkt DHT um 64 bis 69 %, was die Wirkung an den Haarfollikeln erklärt. Im Blut wird DHT um etwa 70 % reduziert. [5]

Wichtig: Der Testosteronspiegel bleibt dabei normal und unverändert. Finasterid senkt also nur DHT, nicht Testosteron. Deshalb bleiben typische männliche Merkmale unbeeinträchtigt.

Weitere positive Effekte auf die Haarfollikel

Neuere Forschung zeigt, dass Finasterid nicht nur DHT senkt, sondern auch direkt auf die Haarfollikel wirkt. Der Wirkstoff schützt die Zellen der Haarfollikel vor dem Absterben und verlängert die Wachstumsphase der Haare. [6] [7] Gleichzeitig aktiviert er wichtige Signalwege für Haarwachstum und fördert Stammzellen in den Haarwurzeln. [8]

Diese kombinierten Effekte erklären, warum Finasterid nicht nur den Haarausfall stoppt, sondern bei vielen Anwendern auch zu neuem Haarwachstum führt.

Klinische Studien und wissenschaftliche Evidenz

Die Wirksamkeit von Finasterid wurde in zahlreichen klinischen Studien über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg untersucht.

Die wichtigste Studie von 1998

Die wichtigste Studie zu Finasterid wurde 1998 im Journal of the American Academy of Dermatology veröffentlicht. [9] Diese Studie untersuchte über 1.500 Männer mit erblich bedingtem Haarausfall über zwei Jahre. Insgesamt nahmen 1.553 Männer zwischen 18 und 41 Jahren teil, die zufällig in eine Finasterid-Gruppe (1 mg täglich) oder Placebo-Gruppe eingeteilt wurden. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt, das heisst weder Teilnehmer noch Ärzte wussten, wer das echte Medikament erhielt. Hauptziel war die Messung von Haarzahl und Haarwachstum.

Die Ergebnisse nach 12 Monaten waren eindeutig und zeigten einen klaren Unterschied zwischen der Finasterid- und Placebo-Gruppe:

ParameterFinasteridPlacebo
Verbesserung (Arztbeurteilung)48 %7 %
Keine Veränderung42 %25 %
Verschlechterung10 %68 %
Wirksamkeit von Finasterid nach 12 Monaten Behandlung (n=1.553) [9]

Nach 24 Monaten setzten sich die positiven Effekte fort: 66 % der Finasterid-Gruppe zeigten eine Verbesserung, verglichen mit nur 7 % in der Placebo-Gruppe. Die Haarzahl nahm weiter zu und die Verbesserungen blieben stabil.

Langzeitstudie über 5 Jahre

Eine Folgestudie begleitete die Teilnehmer über fünf Jahre. [10] Die Ergebnisse waren beeindruckend: 65 % der Anwender zeigten sichtbaren Haarnachwuchs, 35 % stabilisierten den Haarausfall ohne weitere Verschlechterung. Nur 5 % zeigten trotz Behandlung fortschreitenden Haarausfall. Die maximale Wirkung trat nach 12 bis 24 Monaten ein und blieb danach stabil.

Niedrigere Dosierungen

Studien zeigten, dass auch niedrigere Dosierungen als die Standard-1-mg-Dosis wirksam sein können. [11] Detaillierte Informationen zu verschiedenen Dosierungen (oral und topisch) findest du in unserem Artikel Finasterid Rezept Schweiz.

Wann sind erste Ergebnisse sichtbar?

Die Wirkung von Finasterid setzt zeitverzögert ein und entwickelt sich schrittweise. In den ersten 0 bis 3 Monaten befindet man sich in der Stabilisierungsphase, in der der aktive Haarausfall stoppt. Viele Anwender bemerken bereits, dass weniger Haare ausfallen.

Nach 3 bis 6 Monaten werden die ersten sichtbaren Verbesserungen erkennbar. Erste feine Haare werden sichtbar und die Haardichte beginnt sich zu verbessern. Zwischen Monat 6 und 12 zeigt sich eine deutliche Verbesserung, bei der die feinen Haare dicker werden und die Haardichte sichtbar zunimmt.

Nach 12 bis 24 Monaten wird die maximale Wirkung erreicht. Die Haardichte stabilisiert sich auf dem neuen Niveau.

Realistische Erwartungen

Die Therapie mit Finasterid erfordert Geduld. Anwender sollten mindestens 12 Monate warten, bevor sie die Wirksamkeit beurteilen. Vorzeitiges Absetzen kann dazu führen, dass potenzielle Erfolge verpasst werden.

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Wer profitiert am meisten von Finasterid?

Die Wirksamkeit von Finasterid variiert je nach individuellem Profil und Stadium des Haarausfalls.

Wer profitiert am meisten?

Finasterid wirkt am besten bei Männern zwischen 18 und 60 Jahren in frühen Stadien des Haarausfalls. Besonders gute Ergebnisse zeigen sich bei Haarausfall am Scheitel und Oberkopf sowie bei aktiv fortschreitendem Haarausfall, wo die Haarfollikel noch aktiv sind. Bei bereits kahlen Bereichen ist die Wirkung eingeschränkt, da dort die Haarfollikel oft schon inaktiv sind.

Wann wirkt Finasterid nicht?

Finasterid zeigt keine oder kaum Wirkung bei vollständig kahlen Bereichen, da die Haarfollikel dort bereits inaktiv sind. Auch bei sehr fortgeschrittenem Haarausfall sind die Erfolgsaussichten begrenzt. Bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) oder anderen Formen von nicht erblich bedingtem Haarausfall wirkt Finasterid nicht.

Wichtig zu wissen

Finasterid kann keine bereits inaktiven Haarfollikel reaktivieren. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Ergebnisse. Die besten Resultate zeigen sich bei Anwendern, die noch über aktive, wenn auch miniaturisierte Haarfollikel verfügen.

Anwendung bei Frauen

Die Datenlage für Finasterid bei Frauen ist begrenzt. Kleinere Studien zeigen bei Frauen nach den Wechseljahren Hinweise auf Wirksamkeit bei höheren Dosen von 5 mg. [12] Bei Frauen vor den Wechseljahren gibt es keine ausreichenden Daten. Zudem besteht wegen des Schwangerschaftsrisikos eine Kontraindikation.

In der Schwangerschaft ist Finasterid absolut kontraindiziert, da ein erhebliches Risiko für Missbildungen besteht. In der Schweiz ist Finasterid für Frauen nicht zugelassen und wird nur in Ausnahmefällen bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt.

Was passiert nach Absetzen?

Ein wichtiger Punkt: Die Wirkung von Finasterid hält nur bei kontinuierlicher Anwendung an. Nach Absetzen des Medikaments kehrt der Haarausfall innerhalb von 3 bis 6 Monaten zurück. Das Haarbild entwickelt sich auf das Niveau, das ohne Behandlung erreicht worden wäre. Bereits gewonnene Haare gehen wieder verloren.

Finasterid ist also eine Langzeittherapie. Das Medikament muss dauerhaft angewendet werden, um die Ergebnisse zu erhalten. Dies bedeutet nicht, dass das Medikament abhängig macht. Es bedeutet nur, dass der biologische Prozess des Haarausfalls ohne die DHT-Blockierung wieder einsetzt.

Fazit zur Wirksamkeit von Finasterid

Die wissenschaftliche Evidenz für Finasterid ist eindeutig: Es ist einer der wirksamsten Wirkstoffe gegen erblich bedingten Haarausfall. Die Studienlage zeigt, dass bei 2 von 3 Anwendern neues Haarwachstum einsetzt. Bei fast allen Anwendern stoppt der aktive Haarausfall. Die Effekte bleiben über Jahre stabil. Die besten Ergebnisse werden bei frühem Behandlungsbeginn erzielt, wenn die Haarfollikel noch aktiv sind.

Für praktische Informationen zu Bezug und Anwendung siehe Finasterid Rezept Schweiz. Informationen zu Nebenwirkungen findest du unter Finasterid Nebenwirkungen. Für einen Vergleich der Darreichungsformen lies unseren Artikel Finasterid topisch vs. oral. Du kannst auch eine Online-Konsultation starten oder mehr über die Ursachen von Haarausfall erfahren.

Quellen

  1. [1] Zito PM, Bistas KG, Patel P, Syed K. (2024). Finasteride. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513329/ (Aufgerufen am 25.08.2025)
  2. [2] American Hair Loss Association. (o. J.). Finasteride (Proscar/Propecia). American Hair Loss Association. https://www.americanhairloss.org/hair-loss-treatment/drug-therapy/finasteride/ (Aufgerufen am 26.08.2025)
  3. [3] Makridakis N, Reichardt JKV. (2005). Pharmacogenetic analysis of human steroid 5 alpha reductase type II: comparison of finasteride and dutasteride. Journal of Molecular Endocrinology. https://doi.org/10.1677/jme.1.01725
  4. [4] Deslypere JP, Young M, Wilson JD, McPhaul MJ. (1992). Testosterone and 5α-dihydrotestosterone interact differently with the androgen receptor to enhance transcription of the MMTV-CAT reporter gene. Molecular and Cellular Endocrinology. https://doi.org/10.1016/0303-7207(92)90004-P
  5. [5] Drake L, Hordinsky M, Fiedler V, et al.. (1999). The effects of finasteride on scalp skin and serum androgen levels in men with androgenetic alopecia. Journal of the American Academy of Dermatology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10495374 (Aufgerufen am 29.08.2025)
  6. [6] Sawaya ME, Blume-Peytavi U, Mullins DL, et al.. (2002). Effects of finasteride on apoptosis and regulation of the human hair cycle. Journal of Cutaneous Medicine and Surgery. https://doi.org/10.1007/s10227-001-0024-y
  7. [7] Kim JH, Na J, Bak DH, et al.. (2019). Development of finasteride polymer microspheres for systemic application in androgenic alopecia. International Journal of Molecular Medicine. https://doi.org/10.3892/ijmm.2019.4149
  8. [8] Rattanachitthawat N, Pinkhien T, Opanasopit P, Ngawhirunpat T, Chanvorachote P. (2019). Finasteride Enhances Stem Cell Signals of Human Dermal Papilla Cells. In Vivo. https://doi.org/10.21873/invivo.11592
  9. [9] Kaufman KD, Olsen EA, Whiting D, et al.. (1998). Finasteride in the treatment of men with androgenetic alopecia. Journal of the American Academy of Dermatology. https://doi.org/10.1016/s0190-9622(98)70007-6
  10. [10] Finasteride Male Pattern Hair Loss Study Group. (2002). Long-term (5-year) multinational experience with finasteride 1 mg in the treatment of men with androgenetic alopecia. European Journal of Dermatology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11809594/ (Aufgerufen am 29.12.2025)
  11. [11] Kaufman KD, Rotonda J, Shah AK, Meehan AG. (2008). Long-term treatment with finasteride 1 mg decreases the likelihood of developing further visible hair loss in men with androgenetic alopecia. European Journal of Dermatology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18573712/ (Aufgerufen am 29.12.2025)
  12. [12] Fertig RM, Caresse GA, Darwin E, Gaudi S. (2017). Sexual side effects of 5-α-reductase inhibitors finasteride and dutasteride: a comprehensive review. Dermatology Online Journal. https://doi.org/10.5070/D32311037240
  13. [13] Oliveira-Soares R, Silva ME, Correia PM, Andre MC. (2013). Finasteride 5mg/day treatment of patterned hair loss in normo-androgenetic postmenopausal women. International Journal of Trichology. https://doi.org/10.4103/0974-7753.114709
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