Finasterid topisch vs. oral: Welche Form ist besser?

Finasterid ist als Tablette (oral) und als Lösung zum Auftragen (topisch) verfügbar. Beide Darreichungsformen zielen darauf ab, den Haarausfall zu stoppen und neues Wachstum anzuregen – doch sie unterscheiden sich in Wirksamkeit, Nebenwirkungsprofil und Anwendung.

7 min LesezeitVeröffentlicht am 14. Oktober 2025Zuletzt aktualisiert am 27. November 2025
Beda Diggelmann · Gründer orva

Der grundlegende Unterschied

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Darreichungsformen liegt in der Art, wie der Wirkstoff in den Körper gelangt und wirkt. Für allgemeine Informationen zur Wirkung siehe Finasterid: Wirkung & klinische Studien. Bei oraler Einnahme als Tablette wird Finasterid über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, gelangt ins Blut und verteilt sich im ganzen Körper, wo es systemisch wirkt und Dihydrotestosteron (DHT) in Kopfhaut, Blut, Gehirn und Prostata senkt. DHT ist der Hauptauslöser der androgenetischen Alopezie. Die Anwendung ist einfach mit einer Tablette täglich, wobei orale Finasterid die längste klinische Erfahrung seit 1997 aufweist.

Bei topischer Anwendung wird Finasterid als Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen und wirkt primär lokal an der Auftragestelle. Die Aufnahme ins Blut ist minimal und hängt von der Dosierung ab, was eine gezielte Behandlung der betroffenen Bereiche ermöglicht. Das Ziel topischer Anwendung ist es, die DHT-Reduktion dort zu maximieren, wo sie gebraucht wird – auf der Kopfhaut – während gleichzeitig die Aufnahme ins Blut minimiert wird. Dadurch sollen Nebenwirkungen reduziert werden bei gleichbleibender Wirksamkeit, wobei die Anwendung tägliches Auftragen erfordert.

Wirksamkeit im Vergleich

Zahlreiche klinische Studien haben die Wirksamkeit beider Darreichungsformen untersucht. Die Forschungsergebnisse zeigen ein differenziertes Bild.

Die Phase-III-Studie zeigt vergleichbare Ergebnisse

Die wichtigste Vergleichsstudie wurde 2022 veröffentlicht. [2] Diese randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie verglich 0,25 % topisches Finasterid-Spray mit 1 mg oralem Finasterid über 24 Wochen:

ParameterTopisch (0,25 %)Oral (1 mg)
Haarzahl-ZunahmeVergleichbarVergleichbar
Serum-DHT Reduktion34,5 %55,6 %
Sexuelle Nebenwirkungen2,8 %4,8 %
AnwendungTäglich auftragenTäglich schlucken
Phase-III-Studie: Topisches vs. Orales Finasterid [2]

Wichtigste Erkenntnis: Die Haarzahl-Verbesserung war bei beiden Formen vergleichbar. Topisches Finasterid zeigte jedoch eine deutlich geringere DHT-Reduktion im Blut und weniger Nebenwirkungen. [1] [2]

Langzeitwirksamkeit in den Daten

Eine 16-Monats-Studie mit topischem 0,005 % Finasterid zeigte gute Ergebnisse. [4] 87 % der Anwender berichteten von Verbesserung oder Stabilisierung. Nur 13 % zeigten fortschreitenden Haarausfall. Dabei traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf.

Im Vergleich dazu zeigen orale 1-mg-Studien eine Verbesserung oder Stabilisierung bei 90 bis 95 % nach 12 bis 24 Monaten. 5 bis 10 % weisen fortschreitenden Haarausfall auf.

Fazit zur Wirksamkeit

Die Wirksamkeit ist bei beiden Darreichungsformen vergleichbar. Orales Finasterid hat minimal höhere Erfolgsraten, aber der Unterschied ist gering. Topisches Finasterid erreicht ähnliche Ergebnisse bei reduzierter systemischer Belastung.

Dosierung bei topischem Finasterid

Ein kritischer Punkt: Nicht alle topischen Finasterid-Formulierungen sind gleich. Die systemische Absorption hängt von mehreren Faktoren ab, die entscheidend für Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil sind.

Faktoren der Aufnahme ins Blut

Die Aufnahme ins Blut hängt von mehreren Faktoren ab: die Konzentration (Prozent Finasterid in der Lösung), die Menge pro Anwendung, die Häufigkeit (einmal oder zweimal täglich) sowie die Trägerstoffe in der Formulierung. Eine Studie zeigte den direkten Zusammenhang dieser Faktoren. [3]

Bei 0,091 mg täglich sind keine messbaren DHT-Veränderungen im Blut nachweisbar. Bei 0,273 mg täglich erfolgt eine minimale DHT-Reduktion von etwa 10 %. Bei 2,275 mg täglich ist die DHT-Reduktion jedoch vergleichbar mit oraler Einnahme.

Aufnahme ins Blut verstehen

Die Aufnahme ins Blut ist dosisabhängig. Bei zu hoher Dosierung verliert topisches Finasterid seinen Vorteil! Wähle die Dosierung mit Bedacht.

Empfohlene topische Dosierungen

Basierend auf der wissenschaftlichen Evidenz sind zwei Formulierungen optimal. [6] [7] Eine niedrige Konzentration von 0,005 % Finasterid entspricht einer Gesamtdosis von etwa 0,1 mg pro Tag. Diese zeigt minimale Aufnahme ins Blut und ist ideal für Einsteiger sowie bei diffusem Haarausfall.

Eine Standard-Konzentration von 0,2 % Finasterid entspricht einer Gesamtdosis von etwa 2 mg pro Tag. Diese führt zu etwas mehr Aufnahme ins Blut bei stärkerer lokaler Wirkung. Beide Formulierungen zeigen klinische Wirksamkeit bei deutlich reduziertem Nebenwirkungsrisiko.

Vor- und Nachteile im Detail

Beide Darreichungsformen haben spezifische Vor- und Nachteile, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten.

KriteriumOral (Tablette)Topisch (Lösung)
WirksamkeitMaximale Wirksamkeit mit längster ErfolgsbilanzVergleichbare Wirksamkeit bei reduzierter systemischer Belastung
AnwendungEinfachste Anwendung durch eine Tablette täglichTägliches Auftragen erforderlich
Systemische EffekteDHT-Reduktion im ganzen KörperGeringere DHT-Reduktion im Blut, primär lokale Wirkung
NebenwirkungenHöheres Risiko für systemische NebenwirkungenDeutlich weniger systemische Nebenwirkungen gemeldet
Klinische DatenUmfassende klinische Datenlage seit 1997Kürzere klinische Erfahrung, aber wachsende Evidenz
BehandlungsbereichKeine gezielte Behandlung einzelner Bereiche möglichGezielte Behandlung betroffener Bereiche möglich
Praktische AspekteEinfache Anwendung, Vorsicht bei Kinderwunsch (Spermienqualität)Kann Haare und Kopfhaut fettig machen, direkter Hautkontakt für Schwangere und Kinder vermeiden
Vergleich der Vor- und Nachteile von oralem und topischem Finasterid
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Für wen eignet sich was?

Die Wahl zwischen oraler und topischer Anwendung hängt von deinen individuellen Präferenzen und Zielen ab. Detaillierte Informationen zu Nebenwirkungen findest du in unserem Artikel Finasterid Nebenwirkungen.

Orales Finasterid ist ideal für dich, wenn

Du maximale Wirksamkeit priorisierst und Einfachheit bevorzugst. Eine Tablette ist einfacher als Auftragen. Orale Form eignet sich auch, wenn du keine Bedenken bezüglich der DHT-Reduktion im ganzen Körper hast. Wenn du keine Nebenwirkungen bei bisheriger oraler Einnahme hattest, kannst du diese Form weiter verwenden. Achte darauf, dass keine kleinen Kinder im Haushalt sind.

Topisches Finasterid ist ideal für dich, wenn

Du Nebenwirkungen minimieren möchtest oder bereits oral Finasterid genommen hast und Nebenwirkungen hattest. Topische Form eignet sich auch, wenn du gezielte Bereiche behandeln möchtest, zum Beispiel nur die Geheimratsecken.

Wenn du vorsichtig starten möchtest und bereit bist, täglich eine Lösung aufzutragen, ist diese Form geeignet. Topisches Finasterid eignet sich auch, wenn du die langfristige Aufnahme ins Blut reduzieren willst.

Individuelle Herangehensweise

Die Wahl der Darreichungsform und Dosierung sollte sich nach deiner individuellen Situation richten. Wenn du vorsichtig sein möchtest oder dein Haarausfall noch nicht stark ausgeprägt ist, kann ein sanfter Einstieg sinnvoll sein.

Niedrig dosierte topische Lösungen bieten die Möglichkeit, das Ansprechen auf die Behandlung zu testen. Der Körper wird dabei kaum belastet. Diese können auch gut mit anderen Wirkstoffen wie Minoxidil kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu steigern.

Bei fortgeschrittenem Haarausfall oder wenn du maximale Wirksamkeit anstrebst, können höher dosierte topische Formulierungen oder orale Formen in Betracht gezogen werden. Die Behandlung lässt sich jederzeit an deine Bedürfnisse und Verträglichkeit anpassen. Eine regelmässige Bewertung nach 6 bis 12 Monaten hilft dir, die optimale Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu finden.

Kombination mit Minoxidil

Sowohl orales als auch topisches Finasterid lassen sich gut mit Minoxidil kombinieren. Studien zeigen, dass die Kombination von Finasterid und Minoxidil effektiver ist als die Behandlung mit nur einem Wirkstoff. [5]

Beide Wirkstoffe haben unterschiedliche Wirkweisen: Finasterid reduziert DHT, während Minoxidil das Wachstum fördert. Die Kombination ist gut verträglich. Die Wirkstoffe können sich gegenseitig verstärken.

Verfügbarkeit in der Schweiz

Finasterid ist in der Schweiz seit Ende der 1990er Jahre als orales Medikament zur Behandlung der androgenetischen Alopezie verfügbar. [1] [2] Seit Ende 2022 ist mit Fynzur zusätzlich eine topische Darreichungsform als verschreibungspflichtiges Fertigarzneimittel zugelassen. [6]

Für die Behandlung von Haarausfall sind in der Schweiz verschiedene orale 1 mg Finasterid-Präparate erhältlich: Finasterid-Mepha Procapil, Propecia, Andropecia und Biorga. Als topische Option ist Fynzur Spray zugelassen, speziell für leichten bis mittelschweren Haarausfall bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren. [6]

Spezialisierte Anbieter wie orva bieten darüber hinaus in Zusammenarbeit mit Apotheken individuelle Rezepturen an. Diese enthalten Finasterid in verschiedenen Konzentrationen. Sie können auch mit anderen wissenschaftlich wirksamen Wirkstoffen wie Minoxidil kombiniert werden, um die Behandlung optimal auf deine Bedürfnisse abzustimmen.

Fazit zur Wahl der richtigen Darreichungsform

Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage nach der richtigen Darreichungsform. Die beste Wahl hängt von deinen individuellen Prioritäten ab.

Die orale Form eignet sich besonders, wenn Wirksamkeit und Einfachheit für dich Priorität haben. Sie ist auch geeignet, wenn du keine Bedenken bezüglich der Effekte im ganzen Körper hast und du die kostengünstigste Option bevorzugst.

Die topische Anwendung ist hingegen ideal, wenn dir Nebenwirkungsreduktion wichtig ist. Sie eignet sich auch, wenn du vorsichtig starten möchtest, bereits Nebenwirkungen bei oraler Einnahme hattest oder bereit bist, etwas mehr Zeit zu investieren.

Weitere Informationen findest du in unseren Artikeln zu Finasterid Nebenwirkungen, Finasterid Wirkung & Studien und Finasterid Rezept Schweiz. Du kannst auch direkt mit unserem Online-Quiz starten oder mehr über Minoxidil als ergänzende Behandlung erfahren.

Quellen

  1. [1] Hafner J, Läuchli S. (2023). Androgenetische Alopezie: Mehr Therapien für mehr Haare. Rosenfluh Publikationen. https://www.rosenfluh.ch/media/congressselection/2023/02/Androgenetische-Alopezie-Mehr-Therapien-fuer-mehr-Haare.pdf (Aufgerufen am 08.10.2025)
  2. [2] Piraccini BM, Blume-Peytavi U, Scarci F, et al.. (2022). Efficacy and safety of topical finasteride spray solution for male androgenetic alopecia: a phase III randomized, controlled clinical trial. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. https://doi.org/10.1111/jdv.17738
  3. [3] Caserini M, Radicioni M, Leuratti C, Annoni O, Palmieri R. (2014). A novel finasteride 0.25% topical solution for androgenetic alopecia: pharmacokinetics and effects on plasma androgen levels in healthy male volunteers. International Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25074865/ (Aufgerufen am 10.10.2025)
  4. [4] Mazzarella F, Loconsole F, Cammisa A, Mastrolonardo M, Vena GA. (1997). Topical finasteride in the treatment of androgenic alopecia. Preliminary evaluations after a 16-month therapy course. Journal of Dermatological Treatment. https://doi.org/10.3109/09546639709160517
  5. [5] Suchonwanit P, Iamsumang W, Rojhirunsakool S. (2019). Efficacy of topical combination of 0.25% finasteride and 3% minoxidil versus 3% minoxidil solution in female pattern hair loss: a randomized, double-blind, controlled study. American Journal of Clinical Dermatology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30484271/ (Aufgerufen am 12.10.2025)
  6. [6] Trüeb RM. (2023). Androgenetische Alopezie: Fein-Tuning der Therapien mit Finasterid und Minoxidil. Rosenfluh Publikationen - Dermatologie & Ästhetische Medizin. https://www.rosenfluh.ch/media/dermatologie-aesthetische-medizin/2023/02/Androgenetische-Alopezie-Fein-Tuning-der-Therapien-mit-Finasterid-und-Minoxidil.pdf (Aufgerufen am 13.10.2025)
  7. [7] Trüeb RM. (2011). Androgenetische Alopezie beim Mann. Dermatologie Ostschweiz. https://www.dermaostschweiz.ch/wp-content/uploads/2016/10/AGA-2011.pdf (Aufgerufen am 13.10.2025)
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